Das Wichtigste in Kürze
Eine Länge zählt wirklich: der Rohrweg von der Pumpe bis zum am weitesten entfernten Heizkörper im Kreis (der Kreis-Maximalabstand). Auf diesen Strang wird die Pumpe ausgelegt.
Pro Heizkörper geben Sie nur die Klasse an: nah ≈ ⅓, mittel ≈ ⅔, weit = voller Strang.
Es geht um den Rohrweg, nicht um das Geschoss. Steht die Heizung im Keller, ist oben „weit"; steht sie im Dachgeschoss, ist unten „weit".
Sie müssen nichts millimetergenau messen — die Klasse genügt. Fehlt jede Angabe, rechnet der Abgleich sicherheitshalber mit dem ungünstigsten Strang.
1. Die eine Länge, auf die es ankommt
Der hydraulische Abgleich muss wissen, wie viel Widerstand die Pumpe überwinden muss, damit an jedem Heizkörper genug Druck ankommt. Dieser Widerstand entsteht überwiegend im Rohrnetz — und der hängt von der Länge des Rohrwegs ab.
Maßgeblich ist immer der ungünstigste, also der längste Strang: der Weg von der Pumpe bis zum am weitesten entfernten Heizkörper eines Heizkreises. Genau dafür gibt es zwei Eingaben:
Kreis-Maximalabstand (je Heizkreis, einmal)
Die Rohrlänge von der Pumpe bis zum weitest entfernten Heizkörper dieses Kreises — in Metern. Das ist der Bezugswert (der „weit"-Strang = 100 %). Eine grobe Schätzung reicht — im Zweifel setzen Sie Breite + Länge + Höhe des Gebäudes an (Faustregel in Abschnitt 5).
Entfernung zur Pumpe: nah / mittel / weit (je Heizkörper)
Statt jede einzelne Leitung zu messen, ordnen Sie jeden Heizkörper relativ zum längsten Strang ein: nah ≈ ⅓, mittel ≈ ⅔, weit = der volle (längste) Strang. Der Abgleich rechnet daraus die effektive Rohrlänge je Heizkörper.
2. Was „nah / mittel / weit" wirklich meint
Ein häufiges Missverständnis: „Erdgeschoss = nah". Das stimmt nicht zwingend. Entscheidend ist der Weg, den das Wasser durch das Rohr von der Pumpe bis zum Heizkörper zurücklegt — der Steigstrang ist Teil dieses Wegs. Zwei Fälle machen das anschaulich.
Fall A — Heizung im Keller. Der Rohrweg wird nach oben länger. Ein Erdgeschoss-Raum am Steigstrang ist „nah"; derselbe Raum am Ende einer langen Leitung kann „mittel" sein.
Fall B — Heizung im Dachgeschoss. Dieselbe Regel, umgekehrt: oben „nah", unten „weit". Nicht das Geschoss entscheidet, sondern der Rohrweg von der Pumpe.
3. Wie daraus die Pumpenförderhöhe wird
Wasser, das durch ein Rohr strömt, verliert unterwegs Druck an der Rohrreibung — je mehr Meter, desto mehr Verlust. Die Pumpe muss diesen Verlust auf dem ungünstigsten Strang ausgleichen, damit selbst der am weitesten entfernte Heizkörper noch versorgt wird. Vereinfacht:
ΔpStrang = R × L × 2 × zf
R— spezifischer Rohrdruckverlust [Pa/m], typisiert nach Baualtersklasse (Richtwert ≈ 100 Pa/m)L— Länge des Rohrwegs zum Heizkörper [m]; beim „weit"-Strang = Kreis-Maximalabstand2— Vor- und Rücklauf (der Weg zählt hin und zurück)zf— Zuschlag für Formstücke, Bögen und Armaturen
Beispiel: 25 m längster Strang · ≈100 Pa/m · Vor-/Rücklauf · Zuschlag ≈1,3 → ≈ 65 mbar Reibung auf dem ungünstigsten Strang. Zusammen mit der Ventil-Reserve ergibt das die Förderhöhe.
Die eigentliche Förderhöhe ist dieser Druck, umgerechnet in Meter Wassersäule:
H = ΔpPumpe ÷ (ρ × g) ≈ Δp ÷ 9 640
ρ— Dichte des Heizwassers ≈ 983 kg/m³g— Fallbeschleunigung 9,81 m/s²
Der Abgleich prüft dabei zwei Kriterien und nimmt den größeren Wert: (1) genug Ventilautorität am ungünstigsten Strang, damit die Voreinstellwerte überhaupt greifen, und (2) der Mindestbetriebsdruck des Ventils. So ist sichergestellt, dass die Pumpe weder zu klein noch unnötig groß ausgelegt wird.
Kurz: Ein längerer Kreis-Maximalabstand, ein höherer angenommener Rohrdruckverlust oder mehr Einbauten heben die Förderhöhe — und der weit entfernte Heizkörper („weit") ist immer der, der die Pumpe bestimmt.
4. Was Sie eingeben — und was es bewirkt
Angabe | Bedeutung | Wirkung auf die Förderhöhe |
|---|---|---|
Kreis-Maximalabstand | Rohrlänge bis zum weitest entfernten Heizkörper. | Der Bezugswert. Bestimmt direkt den längsten Strang und damit die Pumpe. |
Entfernung zur Pumpe | nah ⅓ · mittel ⅔ · weit voll. | Legt die effektive Rohrlänge je Heizkörper fest — und den Voreinstellwert des Ventils. |
Baualtersklasse | Typisiert den Rohrdruckverlust | Höheres |
Ventiltyp | Konventionell oder druckunabhängig (PICV). | PICV bringt einen Mindestbetriebsdruck mit, der in die Pumpe eingeht. |
Vorlauftemperatur & Auslegungs-Spreizung | Legen den Massenstrom je Heizkörper fest. | Bestimmen die Durchflüsse — Grundlage für Voreinstellung und Druckverlust. |
Gut zu wissen: Bei druckunabhängigen Ventilen (PICV) blenden wir die Klasse aus — diese Ventile regeln den Durchfluss selbst. Für die Pumpe rechnen wir dort automatisch mit dem ungünstigsten Strang (Kreis-Maximalabstand); Sie müssen nichts weiter angeben.
5. Wenn Sie die Länge nicht genau kennen
Das ist der Normalfall — und kein Problem. Die Klasse nah / mittel / weit genügt; ein grob geschätzter Kreis-Maximalabstand reicht für die Auslegung völlig aus.
Faustregel für die Schätzung: Kennen Sie die Rohrlänge nicht, setzen Sie den Kreis-Maximalabstand einfach als Breite + Länge + Höhe des Gebäudes an. Der längste Rohrweg läuft ungefähr einmal quer durchs Gebäude und nach oben zum entlegensten Heizkörper — diese Summe liegt erfahrungsgemäß auf der sicheren Seite. Beispiel: 12 m lang, 10 m breit, 8 m hoch → rund 30 m.
Und wenn Sie zu einem Heizkörper gar nichts angeben:
Sicherer Rückfall: Ohne Klasse rechnet der Abgleich für diesen Heizkörper mit dem Kreis-Maximalabstand — also mit dem ungünstigsten (längsten) Strang. Das ist bewusst konservativ: lieber etwas mehr Reserve als eine unterversorgte Heizfläche. Im Report ist transparent ausgewiesen, welche Länge verwendet wurde: Klasse, Kreis-Maximalabstand oder ein Hinweis, wenn eine Trassenangabe fehlt.
6. Häufige Fragen
Heißt „Erdgeschoss = nah"?
Nein. Entscheidend ist der Rohrweg von der Pumpe, nicht das Geschoss. Steht die Heizung im Keller, ist das EG meist „nah" — aber ein weit entfernter EG-Raum kann „mittel" sein, und im Dachgeschoss ist das EG sogar „weit". Siehe Fall A und Fall B oben.
Muss ich jeden Heizkörper einzeln ausmessen?
Nein. Sie schätzen einmal den längsten Strang (Kreis-Maximalabstand) und ordnen jeden Heizkörper mit nah / mittel / weit ein. Das reicht für eine belastbare Pumpenauslegung.
Warum bestimmt gerade der „weit"-Heizkörper die Pumpe?
Weil die Pumpe so viel Druck liefern muss, dass selbst am ungünstigsten (längsten, verlustreichsten) Strang noch genug ankommt. Ist dieser Punkt versorgt, sind alle näheren automatisch mitversorgt.
Was ist mit druckunabhängigen Ventilen?
Dort ist die Entfernungs-Klasse ausgeblendet — die Ventile regeln den Durchfluss selbst. Für die Pumpe wird automatisch der ungünstigste Strang angesetzt.